„Es ist nicht immer einfach“
20. April 2022 | Von Ralf Mittelbach
Abteilung Stadt der Weinheimer Feuerwehr blickt auf coronageprägte Zeit zurück und appelliert an die Politik – Viele Ehrungen
Weinheim. „Ich wurde gut aufgenommen und konnte schon mit viele großartigen Leuten zusammenarbeiten. Insbesondere das Abarbeiten von größeren oder längeren Einsatzlagen wie in den letzten Stunden ist von einer großen Motivation geprägt und es ist schön, Teil des Teams zu sein.“ So hörten es jetzt die Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr Weinheim bei der Jahreshauptversammlung der Abteilung Stadt aus dem Mund von Bernd Meyer, der seit Juni 2021 Feuerwehrkommandant in Weinheim ist. Meyer absolviert im Moment also zum ersten Mal die „Tour“ durch die Abteilungsversammlungen, die im Mai mit der Versammlung der Gesamtwehr abschließt. Die Abteilung Stadt ist die größte im Verbund, mit entsprechender Bedeutung.
Wie Schriftführer Steffen Jakob zusammenfasste, kamen bei 433 Einsätzen insgesamt 3116 Einsatzstunden zusammen. Zählt man hier noch die Dienststunden, zum Beispiel die Übungsdienste mit 2648 Stunden dazu, kommt man auf knapp 5800 Stunden im Dienst für die Sicherheit der Bürgerinnen und Bürger Weinheims zusammen.
Abteilungskommandant David Kunerth und Bernd Meyer streuten durchaus auch kritische Töne ein. „Die letzten Jahre waren nicht immer einfach, Stichworte Corona, Brandschutzbedarfsplan, um nur einiges zu nennen, was uns bewegte“, erklärte der Abteilungskommandant. Drei Themen brennen den Brandschützer besonders auf den Nägeln, wie David Kunerth ausführte: Die Nachwuchssorgen beim Ehrenamt, ein seiner Ansicht nach unzureichendes Ausbildungsangebot auf Landesebene sowie Platzbedarf im Feuerwehrzentrum. Er beschrieb es so: „Die Corona-Pandemie ist, wie in allen Lebensbereichen unserer Gesellschaft, einer der Hauptgründe für diese teilweise durchwachsene Zeit.“
Er monierte, dass die Bedeutung der Feuerwehr in der Gesellschaft und Politik oft nicht genügend geschätzt werde. „Viele Weinheimer wissen gar nicht“, bedauerte er, „wie es ist, Feiern und gemeinsame Aktivitäten zu verlassen, um Menschen in Not zu helfen und sein eigenes Leben in vielen riskanten Einsätzen zu gefährden“. Oft werde die Feuerwehr als
selbstverständlich gesehen. Er betonte: „Der Brandschutz wäre ohne Freiwillige sehr sehr viel teurer.“ Kunerth appellierte an Politik und Stadtverwaltung „mehr dafür zu tun, dass die Mitgliederzahlen der Freiwilligen Feuerwehr sich stabilisieren und im besten Fall auch wieder deutlich nach oben gehen“. Kunerth berichtete, dass 2021 auch wieder der Feuerwehrbedarfsplan fortgeschrieben und vom Gemeinderat verabschiedet worden ist. Dieser Plan sei ein Zeichen der guten Zusammenarbeit aller Weinheimer Feuerwehrabteilungen und auch der Feuerwehrführung.
Jetzt liege es am Gemeinderat, diesen Plan in den nächsten Jahren umzusetzen und die geforderten Mittel und Maßnahmen zu genehmigen. Er betonte: „Die Einsatzfahrzeuge sind keine Spielzeuge für die ehrenamtlichen Kräfte, sondern das nötige Handwerksmaterial, zur Sicherstellung des Brandschutzes unserer Heimatstadt.“ Die vergangenen Feuerwehrbedarfspläne bescheinigten schon in der Vergangenheit den enormen Platzmangel, im Feuerwehrzentrum in der Bensheimer Straße, auch im Bereich der Bereiche der hauptamtlichen Mitarbeiter. Kunerth: „Aber wirklich viel passiert ist leider nichts.“
Bürgermeister und Feuerwehrdezernent Dr. Torsten Fetzner drückte hingegen seine Wertschätzung gegenüber der Feuerwehr sehr offen aus, auch das Raumthema stehe auf der Agenda, versicherte er.
Sehr unzufrieden äußerte sich Kunerth über das Ausbildungsangebot der Landesfeuerwehrschule in Bruchsal. Diese sei zwar modernisiert und erweitert worden, aber an der Basis spüre man davon leider nichts. Im Gegenteil: Der Ausbildungsbedarf werde bei weitem nicht gedeckt. Er berichtete davon, dass Führungslehrgänge inzwischen eine Wartezeit von drei bis vier Jahren haben. Kunerth: „Dies ist unbefriedigend. Hier erwarten wir auch entsprechendes Handeln von der Feuerwehrführung, um den Missstand mit der Kreisführung zu besprechen und auch weitere Ausbildungsmöglichkeiten zu schaffen.“
Während der Corona-Zeit hat sich die Weinheimer Feuerwehr mit ihrem Online-Angebot wieder einmal weit über die Stadtgrenzen hinaus einen Ruf als innovatives Team erworben, betonte Kunerth.
Sein Fazit. „Mit diesem aufwendigen Online-Angebot waren wir innerhalb der Feuerwehren des Rhein-Neckar-Kreises während der Coronazeit nicht nur Vorreiter, sondern einigen nutzten auch unsere erstellten Videos für ihre Fortbildungen.“
Bernd Meyer und Dr. Torsten Fetzner nahmen zahlreiche Ehrungen und Beförderungen vor, sogar für zwei Jahre, weil die Jahreshauptversammlung 2021 ausgefallen war.
Beförderungen
Zur Feuerwehrfrau/ Feuerwehrmann
Brand Martin
Fischer Tom
Kautz Yannis
Wahl Kenneth
Genthner Julia
Zum Oberfeuerwehrmann
Heckmann Marko
Hauptfeuerwehrmann
Dietrich Robin
Ernst Johannes
Löschmeister
Pun Alexander
Schmidt Robin
Zum Oberlöschmeister
Baumann, Stephan
Kunerth David
Zum Hauptlöschmeister
Schmidt Manuel
Zum Oberbrandmeister
Baumann Dirk
Grensemann Michael
Schneider Marco
Ehrungen der Stadt Weinheim
Für zehn Jahre Mitgliedschaft in 2021:
Moritz Eisele
Jonas Gärtner
Bernd Guthier
Für 20 Jahre Mitgliedschaft in 2021/2022:
Kai Böhler
Hannes Hartmann
Jochen Jöst
Philipp Kaschel,
Carolin Käding
Jens Mandel
Daniel Paradiso
Robin Schmidt
Sebastian Singer
Für 40 Jahre in 2021:
Michael Grensemann
Für 50 Jahre in 2022:
Gerhard Clemens.
Für 60 Jahre Mitgliedschaft in 2022:
Dieter Pfenning
Alfred Röhling
Ehrungen Land Baden-Württemberg
Für 15 Jahre in 2021:
Carolin Käding
Hannes Hartmann
Kai Böhler
Daniel Paradiso
Für 40 Jahre in 2021:
Klaus Hafner
Pressler Jürgen
Seehaus Michael
Für 50 Jahre in 2021:
Rolf Tilger
Wolf, Walter
Böhler, Hermann
Besondere Ehrungen
Ehrenmedaille in Bronze des Kreisjugendfeuerwehr Rhein-Neckar
Lina Albrecht
Christian Paradiso
Christopher Quintel
Ehrenkreuz in Bronze des Kreisfeuerwehrverbandes Rhein-Neckar
Hannes Hartmann
Werner Hartmann
Thomas Keller
Klaus Neitzel
Ehrennadel in Silber der Jugendfeuerwehr Baden-Württemberg
Daniel Paradiso
Ehrenkreuz in Gold des Deutschen Feuerwehrverbandes
Rolf Tilger
