Geschichte der Abteilung Stadt

Gerätehaus Grundelbachstraße

Gerätehaus Grundelbachstraße

Die Entsehung der Weinheimer Feuerwehr geht bis in die Frühzeit unserer Stadtgeschichte zurück. Die fränkischen Bauern in der Dorfsiedlung Weinheim, am Fuße des Domhofes längs der Weschnitz, besaßen bestimmt schon einen Feuerschutz für ihre aus Holz, Lehm und Stroh gebauten Häuser, Scheunen und Stallungen, dem alle Männer angehörten. Gelöscht wurde damals mit einfachen Holzkübeln, wie sie die Küfer für den Gebrauch im bäuerlichen Haushalt anfertigten. Brach ein Brand aus, so schöpften die Frauen Wasser aus der Weschnitz, füllten die Holzbutten und die Männer trugen sie zum Brandplatz.

 

 

 

 

Der Feuerschutz im Mittelalter

Bei der Gründung der Neustadt Weinheim nach 1230 verlangte der Festungscharakter der Stadt schmale Gassen, hochgiebelige, gotische Fachwerkhäuser mit großen Speichern für die Vorräte an Frucht und Obst, enge, lichtlose Ställe mit Balkendecken und große Scheunen, gefüllt mit Getreide, Heu und Stroh. In den Werkstätten der Handwerker lagerten Häute, Leder, Holz und Stoffe. Als Feuerschutz waren Feuergassen dazwischen gebaut. Die Wasserversorgung reichte nie aus. Einzelne Laufbrunnen, Ziehbrunnen und Pumpbrunnen sowie die Gerberbach, ein großes Wasserloch am Hexenturm, die Weschnitz und die Grundelbach versorgten die Stadt mit Wasser. In der Altstadt entstand längs der Weschnitz die Feuergasse, in welcher die Bauern im Brandfalle ihre Fässer mit Wasser füllten. Die Verantwortung für den Brandschutz trug der Ratsbürgermeister und der Gemeinderat bis auf den heutigen Tag. Sämtliche angehenden Bürger leisteten den Bürgereid und wurden zum Feuerschutz verpflichtet. Jeder Bürger erhielt von der Stadt einen ledernen Feuereimer. Die Bürgerwehr stellte den Schutz, und die Aufsicht oblag dem kurpfälzischen Amtskeller oder Schultheiß. Der älteste Stadtkern lag um unsern Marktplatz mit dem Reich-, Kessel-, Mittel- und Oberviertel. Die erste Stadterweiterung bildete das Gerberviertel zwischen Marktplatz und dem Stadtgraben, dessen Wasser die Grundelbach lieferte. In diesem Gerberviertel bauten die Rot- und Weißgerbermeister ihre stattlichen Fachwerkhäuser, ihre Werkstätten und Lohgruben. Hier wurden jahrhundertelang die ledernen Feuereimer mit einem langen Henkel für die Weinheimer Feuerwehr angefertigt und auf den Jahrmärkten für die Landbevölkerung feilgeboten. Ein lederner Feuereimer war nicht billig. Er kostete stets einen Wochenlohn. Am Brandplatz konnte der gefüllte Ledereimer mit hohem Schwung gemeistert werden, so daß das Wasser in die Glut geschleudert wurde. Warf der Feuerwehrmann den leeren Eimer von der Leiter auf den Boden, so blieb er ganz. Damit war der lederne Feuereimer das erste, gut funktionierende Feuerwehrgerät im Mittelalter bis in das 19. Jahrhundert.

 

Die Weinheimer Brandordnung aus dem Jahre 1816

Das badische Bezirksamt Weinheim verlangte im Jahre 1816 die Aufstellung einer neuen Brandordnung für die Stadt. Nach dieser neuen Brandordnung war der Stadtrat verpflichtet, mit aller Strenge über die Handhabung der die Abwendung von Feuersgefahr bezweckende Verordnung zu wachen. Zweimal im Jahre, nämlich im Frühjahr und im Herbst sollte eine allgemeine Feuerschau durchgeführt werden, ob sämtliche Schornsteine richtig und gut gefegt seien und alle Feuerstätten sich in gutem Zustande befinden. In der Nähe der Scheunen, Heuböden, Schuppen, Stallungen durfte keine Feuerstätte errichtet werden und bereits bestehende mussten entfernt werden. Außerdem wurden weitere diverse Regeln und Verbote aufgestellt.

 

Die Weinheimer Feuerlöschanstalt

Schlauchturm

Schlauchturm

Das gesamte Feuerwehrwesen in der Stadt wird in einer Feuerlöschanstalt zusammengefasst. Der Stadtrat war verpflichtet zur Anschaffung und Unterhaltung der nötigen Feuerlöschgeräte, wie Feuerleitern, Feuerhaken, Feuereimer, Feuerspritzen und Schläuchen. Ferner hatte der Stadtrat dafür zu sorgen, dass bei starker Kälte die Bäche an mehreren Stellen täglich aufgeeist und die nötigen Wasserstiefel bereit gehalten wurden. Außerdem mussten die erforderlichen Pechfackeln, Pechkränze, Pfannen im Feuerhaus, im Erdgeschoss des Rathauses, vorhanden sein. Bei Feueralarm hatten sämtliche Einwohner sogleich Lichter an ihre gegen die Straße ziehenden Fenster zu stellen und zu unterhalten. Die männlichen Einwohner wurden in neun Feuerrotten mit je einem Stadt-Viertelmeister als Führer eingeteilt. Sämtliche Maurer, Zimmerleute, Meister und Gesellen, bildeten eine besondere Feuerrotte. Die Knechte der Küfer und Bierbrauer traten mit Butten als eine besondere Feuerrotte an. Unter dem Kommando des Bürgerwehrkommandanten wurde ein besonderes Feuerpikel aufgestellt. Kein Einwohner der

Stadt durfte bei 15 Reichstaler Strafe, während eines Brandes aus der Stadt sich entfernen oder sich dem Löschdienst entziehen. Den Gastwirten war bei der gleichen Strafe untersagt, während des Brandes, Leute, die zum Löschen fähig oder dazu bestimmt waren, in der Gaststube aufzunehmen. Die Wirte sind bei ihrem Bürgereid verpflichtet, dieselben auf die Brandstätte zu verweisen. Die Brandordnung gab weitere genaueste Anweisungen über die schleunige Anwendung der Feuerlöschanstalt, ferner über ihre zweckmäßige Leitung und über die nötige Vorsorge nach einem Brande. Bei den Besichtigungen der Löschgeräte mussten die Löschmannschaften der Spritzen eine Übung durchführen. Durch das Vorhandensein von modernen Feuerspritzen gelang es der Weinheimer Feuerwehr die entstehenden Brände bald unter Kontrolle zu bringen. Im Jahre 1840 kaufte die Stadtgemeinde Weinheim eine neue fahrbare Feuerspritze, die sogenannte Landspritze. 1847 waren folgende Gerätschaften vorhanden: eine große Feuerspritze, eine kleine Feuerspritze in der Markthalle des Rathauses untergebracht, acht Feuerleitern, zehn Feuerhaken, drei Pechpfannen, genügende Anzahl von Feuereimern für alle Einwohner, Tragbutten für Küfer und Bierbrauer, Fässer zum Wasserfahren und Wasserzuber.

 

Gründung und Entwicklung der FF Weinheim

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Löschlafette

Am 1. November 1861 richteten sechs Mitglieder der Weinheimer Schützengesellschaft eine Eingabe an den Gemeinderat, in Weinheim eine organisierte Feuerwehr aufstellen zu dürfen, ähnlich wie in Ladenburg und der Stadt Heidelberg. Zur Anschaffung von Geräten und Helmen wurde um eine Summe von 1000 Gulden gebeten. Es sollten drei Mannschaften aufgestellt werden, nämlich: eine Spritzenmannschaft mit 43 Mann, eine Steigermannschaft mit 26 Mann und eine Wachmannschaft mit 12 Mann. Diese Eingabe wurde sorgfältig geprüft und am 8. Januar 1862 genehmigte der Gemeinderat 800 Gulden zur Aufstellung der Freiwilligen Feuerwehr Weinheim. Die stärke der ersten Wehr betrug 72 Mann. Ein Ausschuss, gewählt von der gesamten Mannschaft, stellte die ersten Statuten der Freiwilligen Feuerwehr Weinheim auf und die Wehr bestand aus einer Rettungsmannschaft mit je einer Rotte Steiger und Austräger, aus der Spritzenmannschaft mit je einer Rotte Schlauchführer, Pumper, Wasserträger, Buttenträger, einer Arbeitsmannschaft mit je einer Rotte Einreißer und Hilfsmannschaft, sowie einer Anzahl Trommler und Signalisten. Die Satzung legte die Wahl der Vorgesetzten, den Wirkungskreis des Verwaltungsrates, die Aufnahmen, Dienstzeit, Entlassung, Feuerwehrkasse, Versammlungen und allgemeine Bestimmungen fest. Nach der Dienstordnung vom Jahre 1861 bestand die Bekleidung und Ausrüstung der Feuerwehr aus einer Jacke und Hose aus ungebleichter Leinwand, einem Helm aus Messing zur Kopfbedeckung und einem Gurt mit Rettungsleine und Beil. Die Bekleidung musste jeder Feuerwehrmann selbst anschaffen, nur die Gurte erhielt er gegen eine Quittung durch die Gemeinde. Übertretungen der Dienstordnung konnten durch Strafen von 12 Kreuzer bis zu einem Gulden geahndet werden. Am 3. Juni 1862 erteilte das großherzogische Bezirksamt Weinheim die Genehmigung zur Bildung der Feuerwehr. Der Gemeinderat erteilte im Juni 1863 diese. Die Mannschaft wählte den Kommandanten, die Hauptleute und Obleute, die Ernennung vollzog der Gemeinderat und die Bestätigung erteilte das Bezirksamt. Nun begann der Aufbau der Weinheimer Feuerwehr. Am 16. März 1863 wurde der erste Kommandant gewählt. Die Erwartungen, welche die Weinheimer Bürgerschaft für die neue Wehr hegte, schienen sich nicht erfüllt zu haben. Zwar sprachen die Statuten der neuen Wehr wohl von Übungen der Mannschaften, aber die Leistungsfähigkeit stieg nicht, denn in einer Eingabe vom 3. Oktober 1865 an den Gemeinderat ersuchte eine Anzahl Bürger um eine Änderung der Statuten, bzw. um eine neue Gründung und Umgestaltung der bestehenden Feuerwehr. Es wurde gewünscht, das Weinheim in kurzer Zeit eine Feuerwehr besitzen sollte, welche in jeder Hinsicht den Wehren anderen Städte nicht nachstehen sollte. Der erste Feuerwehrkommandant mit den schlechten Verhältnissen der Weinheimer Wehr selbst unzufrieden, hatte bereits am 30. August 1865 sein Amt zur Verfügung gestellt.

Feuerlöschauto

Feuerlöschauto

Leider ging das Interesse an der Weinheimer Wehr nach dem Kriege 1870/71 immer mehr zurück. 1874 wurde die Weinheimer Feuerwehr aufgelöst. Die Stadtverwaltung sah sich gezwungen, die obligatorische Feuerwehr in Weinheim einzuführen und erließ im Jahre 1874 eine neue Feuerlöschordnung für die Stadt Weinheim. Hierin wurde bestimmt, dass alle angehenden Bürger mindestens sechs Jahre für das Feuerwehrkorps verpflichtet werden. Außerdem hatten alle Bürger bis zum 60. Lebensjahr dienst bei Brandfällen zu leisten. Dieses neue Feuerlöschkorps unterstand dem großherzoglichen Bezirksamt sowie dem Gemeinderat Weinheim. Die Dienstvorschriften blieben gleich. Viele Feuerwehrmänner, welche freiwillig länger bei der Feuerwehr blieben, stellten bei dem Verwaltungsrat den Antrag, die Feuerwehr wieder in eine freiwillige Wehr umzuändern. In der folgenden Generalversammlung wurde dieser Antrag zum Beschluss erhoben und im Jahre 1888 die Genehmigung dazu erteilt. In der Zeit bis zur Jahrhundertwende mussten die Wehrmänner die Höhen und Tiefen der damaligen Zeit miterleben. In ungezählten Einsätzen konnten sie, in Weinheim und sehr vielen Orten der Umgebung, ihr Können und ihre Schlagkraft unter Beweis stellen. 1879 fand eine Fahnenweihe statt. Die heute noch im Besitz der Wehr befindliche Fahne wurde von Frauen der Wehrmänner gestiftet. Die Feuerwehr nach dem ersten Weltkrieg Nach dem ersten Weltkrieg übernahm ein Weinheimer Geschäftsmann im Jahre 1919 die Leitung der Weinheimer Wehr. Er führte sie bis zu seinem Tode im Jahr 1938. In dieser Zeit gelang es ihm, durch sein umsichtiges Handeln, die Reihen der Wehr wieder zu füllen. Unter seiner Führung konnte die Wehr auch verschiedene moderne Löschgeräte anschaffen: 1923 Lafettenmotorspritze mit 1000 Liter Leistung pro Minute 1926 kombiniertes Tanklöschfahrzeug mit Schaumlöschgenerator 1928 mechanische Schiebleiter mit 12 m Steighöhe 1932 Tempodreirad mit Tragkraftspritze 1936 Anhängeleiter mit 17 m Steighöhe 1938 Löschfahrzeug KS.15 Leider befinden sich diese Gerätschaften nicht mehr im Besitz der Freiwilligen Feuerwehr Weinheim.

 

Der Zweite Weltkrieg 1939 – 1945

Er griff drastisch in die Reihen der Feuerwehr ein, da ein großer Teil der Mannschaft zum Kriegsdienst herangezogen wurde. Einige wenige, die in der Heimat verblieben, wurden dennoch für die Aufgaben der Feuerwehr ausgebildet. Ältere Bürger der Stadt und vor allem Frauen wurden zum Wehrdienst verpflichtet. Neben den zahlreichen, auch kriegsbedingten Einsätzen in Weinheim musste die Weinheimer Wehr auch, insbesondere nach den Luftangriffen in Mainz, Darmstadt, Mannheim, Ladenburg und Hemsbach, unter schwersten Bedingungen Einsätze fahren.

 

Nach dem zweiten Weltkrieg

Löschdreirad

Löschdreirad

Nach dem zweiten Weltkrieg musste die Wehr neu aufgebaut und organisiert werden, da viele Kameraden nicht mehr in die Heimat zurückgekehrt waren und Andere keinen freiwilligen Dienst mehr leisten wollten. Dennoch gelang es der Weinheimer Wehr unter einer neuen Führung wieder eine schlagkräftige Mannschaft aufzustellen. 1956 wurde das neue Feuerwehrgerätehaus seiner Bestimmung übergeben, nachdem zuvor die Fahrzeuge und Geräte an drei stellen der Stadt untergebracht waren. 1962 feierte die Weinheimer Feuerwehr ihr 100jähriges Bestehen. Aus diesem Anlas stiftete die Firma Freudenberg der Wehr einen Betrag von 25000 DM zur Erstausstattung der Einsatzfahrzeuge mit Funk. Damit war die Weinheimer Wehr die erste mit Funk im nordbadischen Raum. Im gleichen Jahr wurden auch die bisher im Einsatz befindlichen und aus dem Kriege stammenden Kreislaufgeräte gegen Preßluftatmer ausgetauscht.

 

Interessantes

Eine besondere Ehre für die Freiwillige Feuerwehr Weinheim war die Ausrichtung des 34. Delegiertentages des Deutschen Feuerwehrverbandes im Jahr 1986, an dem auch Bundeskanzler Helmut Kohl teilnahm. 1987 feierte die Wehr, unter starker Beteiligung befreundeter Wehren, das Fest des 125jährigen Bestehens und das 25jährige Bestehen der Jugendfeuerwehr Abt. Innenstadt. Neben der Partnerschaft mit der Feuerwehr Kerava in Finnland bestehen auch Verbindungen mit den Feuerwehren von Dannberg und Cavaillon, und seit 1994 mit der Lutherstadt Eisleben.