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Unter jedem Helm steckt eine Geschichte

16. September 2020 | Von

Weinheim. Am 10. März hob das Flugzeug mit Christel und Rudi Neumann in Neuseeland ab. Kurz vor dem Corona-Shutdown gab es noch grünes Licht für den Heimflug von der Urlaubsreise. Im Gepäck des Sulzbachers war das jüngste Exemplar seiner stattlichen Sammlung von Feuerwehrhelmen, und wenn es diesmal auch ein Hut statt ein Helm war, so wird er einen ganz besonderen Platz einnehmen, denn wie beim Hut aus Oakland steckt unter nahezu jedem Helm der Neumann-Sammlung eine Geschichte.

Ein Überraschungsgeschenk

Wieder einmal war er am Rande einer Besichtigungstour im Urlaubsland auf eine Feuerwehrunterkunft aufmerksam geworden. Wo auch immer er sich als Feuerwehrmann zu erkennen gab, öffneten sich bei den Kameraden in aller Welt sofort die Türen, wurde geplaudert und gefachsimpelt. Neumann war in seinem Element, seine Frau hatte schon mehrfach erfolglos gerufen, denn der Bus mit der Reisegruppe wartete nur noch auf Rudi. Also gut: noch ein letztes Selfie mit dem neuseeländischen Feuerwehrmann. Da machte dieser das überraschende Geschenk. „Ich konnte es erst nicht glauben, dass er mir den Hut seiner Uniform mitgab, und ich hatte noch nicht einmal ein Gegengeschenk“, erinnert sich Neumann sichtlich gerührt.

Die Sammelleidenschaft packte ihn 1972, als er beim Ausräumen von Requisiten im Saal der „Rose“ in Sulzbach einen alten Feuerwehrhelm entdeckte. Hans Sattler reparierte das Stück, das zum Grundstein einer Sammlung wurde, die jetzt nicht nur einen Kellerraum füllt. Auch auf dem Wohnzimmerschrank sind einige Helme aufgereiht; darunter das Lieblingsstück seiner Ehefrau Christel: ein Aluminiumhelm aus Singapur, der komplett mit Seetier-Motiven versehen ist. Die Hüter des Wassers als Gegenspieler des Elements Feuer.

Verschiedene Materialien

Der wichtige Kopfschutz bei Feuerwehreinsätzen hat die verschiedensten Formen entwickelt und ist neben der Funktionalität auch Ausdruck der jeweiligen Zeit und Kultur. Einer der ältesten Helme aus Neumanns Sammlung, ein französischer Feuerwehrhelm aus Toulon, der um 1820 getragen wurde, hat auf dem Kamm sogar noch eine Bürste und wirkt militärisch.

Auch die Materialien sind verschieden. Um 1880 trugen Feuerwehrleute in Ungarn Helme aus Leder. „In den USA wird immer noch Leder verwendet“, sagt Neumann. Seltenheitswert hat bezüglich des Materials ein Kunststoffhelm aus Myanmar. Als Kontrast zeigt Neumann eine Südtiroler Bedeckung aus Blech und Messing.

Helm mit rotem Stern

Mit seinem großen roten Stern sticht ein anderer Helm im Regal besonders hervor. Rudi Neumann schmunzelt und erzählt: „Den hat mir Wolfgang Daffinger 1988 aus China mitgebracht.“ Der bekannte, jahrzehntelange SPD-Landtagsabgeordnete ließ sich auf das Spielchen ein, als er mit einer Landtagsdelegation ins Reich der Mitte reiste und Neumann sich von ihm scherzhaft einen Feuerwehrhelm gewünscht hatte. Nicht nur politisch, sondern auch diesbezüglich zeigte Daffinger, dass manches möglich ist, wenn man es will und sich dafür einsetzt.

Ein japanischer Helm aus Reisgeflecht, ein schmucker König-Ludwig-Helm von 1860: Im Regal von Rudi Neumann wird der Platz inzwischen knapp. In den vergangenen Monaten hat er alle 249 Helme fotografiert und sie in einem dicken Fotobuch mit Beschriftung zum jeweiligen Exemplar verewigt. Sie sind geordnet nach Ländern und Kontinenten. Mit „Freunde aus aller Welt“ ist das große Kapitel trefflich überschrieben. Ungeklärt ist bis jetzt, was aus Neumanns Sammlung später einmal wird. Ein Feuerwehrmuseum, dem er sie anbieten könnte, ist ihm jedenfalls in unserer Gegend nicht bekannt.

Ein Helm mit besonders rührender Erinnerung trägt die beiden Großbuchstaben „EL“ für Einsatzleiter. Es ist der Feuerwehrhelm, den der verstorbene Weinheimer Stadtbrandmeister Reinhold Albrecht zuletzt bei Einsätzen trug und den er Neumann für seine Sammlung schenkte, als er in den Ruhestand ging.

Manchmal ging Neumann sogar für eine Trophäe mental durchs Feuer. Zusammen mit seiner Ehefrau ließ er sich 1978 auch nicht von bewaffneten Wachen abhalten, bis zum Chef der Feuerwehr von Santo Domingo in der Dominikanischen Republik vorzustoßen. Auch hier war das Zauberwort „Feuerwehr“ ein Türöffner. Man plauderte und fachsimpelte. Zwei Helme lagen für Neumann schon auf dem Tisch, als der ältere Mann humpelnd einen dritten Helm holte und ihn zum Geschenk erklärte. Es war der Helm, den er getragen hatte, als er bei einem Brandeinsatz sein Bein verlor.

Mit Warnsignal zum Schiff

Christel und Rudi Neumann saßen ergriffen vor dem Gastgeber. Bis zum Auslaufen ihres Kreuzfahrtschiffes war es keine halbe Stunde mehr. Der Schiffsanleger wurde schon fast hochgezogen, als die Sulzbacher in einem dominikanischen Feuerwehrauto mit Warnsignal angebraust kamen. Das Spiel mit dem Feuer war noch einmal gut gegangen.

Über Rudi Neumann

Rudi Neumann kam 1968 im Alter von 18 Jahren zur Feuerwehr Sulzbach.

Er gründete 1970 den Spielmannszug, den er in diesem Jahr seit 50 Jahren leitet.

Im Jahr 1971 gründete er zudem die Jugendfeuerwehr Sulzbach.

Neumann absolvierte die Ausbildungen bis zum Zugführer und war auch Feuerwehrausbilder auf Unterkreisebene.

Bekannt ist Rudi Neumann auch im Bereich Chorgesang. Er ist amtierender Vorsitzender des Sängerkreises Weinheim.

Quelle: Weinheimer Nachrichten vom 15.09.2020, Jürgen Drawitsch