Rauch ist gefährlicher als Feuer
7. Mai 2016 | Von Weinheimer Nachrichten
Freiwillige Feuerwehr: Abteilungskommandant Ralf Mittelbach hält in der Volkshochschule einen Vortrag zum Thema „Brandschutz für Senioren“
Weinheim. „Unsere Freizeit für Ihre Sicherheit“ – so lautet das Motto der Freiwilligen Feuerwehr Weinheim. Ein Beleg dafür, dass dieser Leitspruch auch konkret umgesetzt wird, war der Vortrag „Brandschutz für Senioren“ von Abteilungskommandant Ralf Mittelbach am Donnerstagnachmittag im Saal der Volkshochschule. Dass das Thema hochaktuell ist, zeigte die positive Resonanz: Gut 50 Bürger der angesprochenen Zielgruppe waren der Einladung gefolgt.
Nach der offiziellen Begrüßung durch Hans Mazur vom Stadtseniorenrat und Stadtbrandmeister Reinhold Albrecht zeigte Mittelbach zunächst einen kurzen Imagefilm der Weinheimer Feuerwehr mit der Botschaft: Die Feuerwehr ist immer da, an 365 Tagen im Jahr – 2016 auch gerne an 366 Tagen. Und, so Mittelbach, der Feuerwehr sei es lieber bei 800 bis 1000 Einsätzen im Jahr, einmal zu oft, als einmal zu wenig gerufen worden zu sein.
Aufmerksamkeit reduziert Gefahr
„Haben Sie beim Betreten des Gebäudes darauf geachtet, wie Sie wieder hinauskommen“, fragte der Abteilungskommandant die Senioren im Saal. Gerade in öffentlichen Einrichtungen, wo man sich nicht so gut auskennt, helfe es, sich vorab ein Bild von der Lage zu machen: Wo befinde ich mich und wo muss ich im Notfall hin? Flucht- und Rettungspläne seien eine nützliche Hilfe zur Orientierung.
Zudem rate er dazu, sich nach dem Motto „Vorbeugen hilft“ an eine Risiko-Checkliste zu halten, die er im Anschluss an seinen Vortrag an die Zuhörer verteilte. Darin wird beschrieben, wie Gefahren erkannt und minimiert werden können, etwa durch die Installation von Rauchmeldern, die Entfernung alter Elektrogeräte sowie die Durchführung eines Testlaufs für das Verhalten im Brandfall. Zu empfehlen sei auch ein Check vom Elektriker, denn so Mittelbach: „33 Prozent der Brände sind auf elektrische Defekte zurückzuführen.“ Bei Rauchmeldern sollte darauf geachtet werden, Batterien mit langer Lebensdauer zu verwenden, sie regelmäßig zu warten und im Falle von altersbedingter Schwerhörigkeit die Melder mit Vibrationsalarmen oder Lichtsignalen zu verwenden. Ebenso bestehe die Möglichkeit der Funkvernetzung in andere Räume zu Mitbewohnern oder Angehörigen.
Immer die 112 rufen
„Wenn es brennt, rufen Sie die 112 und keine andere Nummer“, betonte der Referent. Die Notrufnummer 19222 habe bereits seit 2005 keine Gültigkeit mehr im Rhein-Neckar-Kreis und auch ein Anruf unter der Polizeiwahl 110 mit Weiterleitung zur Feuerwehr erfordere ein zweimaliges Erklären und habe eine unnötige Zeitverzögerung zur Folge.
Zu einem Brand könne es durch defekte elektronische Geräte, etwa aufgrund eines Kabelbruchs kommen, ebenso wie durch das Stellen von Kaffeemaschinen auf brennbarem Untergrund oder auch durch Heizdecken, die überhitzen und Feuer fangen. Im Alter solle man sich eingestehen, dass alle Sinneswahrnehmungen nachlassen und körperliche Einschränkungen dazu führen, dass man sich und andere nicht mehr so schnell in Sicherheit bringen kann – vor allem nachts. „Es ist falsch zu glauben, dass man von einem Brand auf jeden Fall geweckt wird“, so Mittelbach. Der giftige schwarze Brandrauch sei geruchslos und führe zu Orientierungslosigkeit und Sichtbehinderung. „Der Rauch ist gefährlicher als das Feuer selbst“, warnte der Abteilungskommandant. Bei einem Zimmerbrand könnten Temperaturen von 350 bis 400 Grad Celsius entstehen, eine Schädigung der Atemwege vom Rauch trete bereits ab 65 Grad Celsius ein. Mittelbach: „Einfach wie im Film ein Tuch vor den Mund zu halten, funktioniert in der Realität nicht. Ein bis zwei Atemzüge können tödlich sein.“
Die besondere Brisanz: Statistisch sind 61 Prozent der Brandtoten über 60 Jahre alt. Da aber auch über 95 Prozent der Senioren in Privathaushalten wohnen – 60 Prozent der über 75-jährigen Frauen sogar in Single-Haushalten – ist eine umfassende Information so wichtig. Nach dem Vortrag von Ralf Mittelbach hatten die Zuhörer noch Gelegenheit, sich am Stand der Badischen Versicherungen (BGV) weiter über das Thema Brandschutz schlauzumachen. nil
www.feuerwehr-weinheim.de und www.senioren-brandschutz.de
Quelle: Weinheimer Nachrichten vom 30.04.2016
