Alarm! Hier gehen täglich 582 Notrufe ein
11. Februar 2014 | Von Feuerwehr Weinheim
Tag des Notrufs 112: Die Integrierte Leitstelle in Ladenburg wickelt jedes Jahr rund 212 300 Anrufe ab und bringt im Notfall auch ein Baby mit zur Welt.Die Zentrale der Integrierten Leitstelle in Ladenburg. Jeder Notruf, der eingeht, wird den Mitarbeitern wie Pia Rösler (rechts) auf Bildschirmen angezeigt. Auf der roten Anzeige rechts oben im Bild sind die Informationen zu sehen, die an die Piepser der Rettungskräfte geschickt werden. 112 – diese Nummer kennen nicht nur kleine Feuerwehrfans auswendig: Es ist der Notruf für „nichtpolizeiliche Gefahrenabwehr“, wie es im Behördendeutsch heißt. Heute ist der internationale Tag des Notrufs 112, mit dem nicht nur die Feuerwehr, sondern auch der Rettungsdienst alarmiert wird. Wer in Weinheim oder an der Bergstraße diese drei Ziffern wählt, wird automatisch mit der Integrierten Leitstelle in Ladenburg verbunden. Die WN haben sich dort einmal umgeschaut: Pia Rösler rückt ihr Headset zurecht und tippt auf das rot blinkende Feld auf dem Touchscreen. „Feuerwehr- und Rettungsnotruf“, meldet sich die 31-Jährige mit ruhiger Stimme. Am anderen Ende der Leitung hört sie eine Frau, Satzfetzen, Schreie! „Ist jemand bei Ihnen, dem Sie das Telefon geben können?“, sagt Rösler – diesmal energisch, sie wird lauter. Endlich, nach ein paar Anläufen, kann sie erfragen, um was es geht: Ein Mann ist zusammengebrochen, liegt in seiner Wohnung reglos auf dem Boden. „In dieser Situation muss ich ziemlich streng mit den Leuten sein, um die notwendigen Infos zu bekommen“, erklärt die gelernte Rettungsassistentin.
212 300 Notrufe pro Jahr
Seit 2010 arbeitet die junge Frau in der Integrierten Rettungsleitstelle in Ladenburg, die unter anderem die 112-Notrufe aus dem Rhein-Neckar-Kreis entgegennimmt. Rund 212 300 Notrufe gehen jedes Jahr in Ladenburg ein, das sind umgerechnet 582 pro Tag. Die Zentrale ist rund um die Uhr besetzt, die 45 Mitarbeiter arbeiten im Schichtsystem. Neben akuten Notfällen koordinieren sie auch Krankentransporte und den Rettungsdienst für den Rhein-Neckar-Kreis, Heidelberg und Mannheim. Zählt man die Telefonanrufe dazu, wickelt die Leitstelle jedes Jahr knapp eine halbe Million Anrufe ab. Elf Arbeitsplätze mit jeweils fünf Monitoren umfasst der große helle Raum im ersten Stock des Gebäudes an der Trajanstraße. „Jeder Arbeitsplatz hat ein bestimmtes Aufgabengebiet, zum Beispiel Feuerwehrnotrufe“, erklärt Rösler. Ein Verkehrsunfall mit einer verletzten Fußgängerin in der Weinheimer Weststadt, ein Schlaganfall in Hirschberg oder ein Brand in Hemsbach: Die Mitarbeiter der Rettungsleitstelle alarmieren alle notwendigen Retter mit wenigen Mausklicks. Oder sie werden gleich selbst zu Rettern. „Wir sind speziell geschult worden, um beispielsweise am Telefon Anweisungen für eine Reanimation geben zu können. Und ich habe schon am Telefon einem Vater dabei geholfen, sein Baby auf die Welt zu holen, weil er und seine Frau es nicht mehr rechtzeitig ins Krankenhaus geschafft haben. Als ich das Baby habe schreien hören, wusste ich, es ist alles gut gegangen“, erzählt Rösler. Weil in der Leitstelle viel verlangt wird, müssen die Mitarbeiter eine umfangreiche Ausbildung absolvieren. Neben der zum Rettungsassistenten und entsprechender Berufserfahrung, hat Rösler auch eine Feuerwehr-Grundausbildung durchlaufen, die Gruppenführer-Ausbildung gemacht und den großen Leitstellen-Lehrgang abgeschlossen.
Fingerspitzengefühl verlangt
Die größte Herausforderung? „Bei jedem Anruf müssen wir uns neu einstellen. Manchmal möchten die Leute nur reden, weil sie nicht wissen, an wen sie sich wenden sollen. Da braucht es Fingerspitzengefühl. Das lernt man aber mit den Jahren. Entsprechende Schulungen gibt es dazu leider nicht“, sagt die 31-Jährige. Und wie geht sie mit Hektik um, wenn die rote Anzeige auf dem Touchscreen unablässig blinkt? „Wir hatten schon Kollegen, für die wir selbst einen Rettungswagen rufen mussten, weil es zu stressig war. Ich mache dann eine kurze Pause, gehe raus, hole mir Ruhe“, sagt Rösler. Bis sie wieder ihr Headset aufsetzt und den nächsten Notruf entgegennimmt.
Quelle Weinheimer Nachrichten vom 11.02.2014 – vmr – Bild Gutschalk
