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Wenn Brandschützer nachsitzen müssen

25. März 2019 | Von

Hauptversammlung der Freiwilligen Feuerwehr nicht beschlussfähig – Zu wenige Anwesende – Fetzner fordert Zusammenhalt ein

Weinheim. Wenn’s „brennt“ oder ihre professionelle Hilfe anderweitig gebraucht wird, sind die Frauen und Männer der Freiwilligen Feuerwehr Weinheim zur Stelle. Bei ihrer diesjährigen Hauptversammlung allerdings stand die Mehrzahl von ihnen auf dem Schlauch. Mit dem Ergebnis, dass die Brandschützer demnächst „nachsitzen“ müssen. Weil die laut Satzung vorgeschriebene Anwesenheit von mindestens einem Drittel der aktuell rund 300 Feuerwehrleute am Freitagabend knapp verfehlt wurde, müssen die Blauröcke in einigen Wochen noch einmal anrücken.

„Mindestens 98 Kameradinnen und Kameraden müssten da sein. Es haben sich aber nur 92 in die Anwesenheitsliste eingetragen“: Ralf Mittelbach, Kommandant der Abteilung Stadt und Stellvertreter von Kommandant Sven Lillig, überprüfte die Anwesenheitsliste mehrere Male. Aber es half nichts. Die Versammlung in der Hohensachsener Mehrzweckhalle war nicht beschlussfähig.

Fetzner nimmt neuen Kommandanten in Schutz

Konsequenz: Sowohl die vorgesehenen Berichte des Kommandanten, der Altersmannschaft, des Stadtjugendfeuerwehrwarts, des Schatzmeisters als auch die Ausführungen der Kassenprüfer sowie die erforderliche Entlastung des Feuerwehrausschusses mussten von der Tagesordnung gestrichen werden.

Aber auch noch in anderer Hinsicht stand die Zusammenkunft zunächst unter keinem guten Stern. Mussten die Teilnehmenden doch von sechs verstorbenen Kameraden und von ihrem viel zu früh verschiedenen, ehemaligen Stadtbrandmeister Reinhold Albrecht Abschied nehmen. „Das schönste Denkmal, das ein Mensch bekommen kann, steht in den Herzen seiner Mitmenschen“, zitierte Kommandant Lillig einen Satz von Albert Schweitzer. Zudem wurde der Verstorbenen mit einer gemeinsamen Schweigeminute gedacht.

Mit Reinhold Albrecht habe man einen Menschen verloren, der in Weinheim als Führungskraft jahrzehntelang Verantwortung für die Feuerwehr übernommen hatte und auch in vielen anderen Bereichen als engagierter Bürger ehrenamtlich tätig war, schloss sich Torsten Fetzner den Worten Lilligs an.

Albrecht fehle an vielen Stellen. „Nicht nur menschlich, sondern auch als fachkundiger Berater“, so der Erste Bürgermeister. Für die neue Feuerwehrführung rund um Lillig sei es deshalb im Moment nicht leicht, das „Schiff Feuerwehr“ auf Kurs zu halten und in ruhiges Fahrwasser zu lotsen.

Was auch daran liegt, dass nach zuvor anderslautenden Informationen der Landesfeuerwehrschule nun doch umfangreiche Ausbildungsschritte notwendig sind, ehe Lillig als Brandschutzsachverständiger und mit allen Ausbildungen versehener Kommandant zur Verfügung steht. Dies sei aber nicht Lilligs Schuld und er, Fetzner, wisse, dass dieser am meisten unter der Situation leide.

Vor diesem Hintergrund bat Fetzner alle Kameraden nicht nur um Verständnis für die augenblicklich schwierige Situation, sondern zugleich um noch mehr Unterstützung für ihren Kommandanten. Bei den letzten Sitzungen des Feuerwehrausschusses habe ihm, Fetzner, das Verständnis der Ausschussmitglieder für diese besondere Situation gefehlt.

Darüber hinaus habe er auch die Ungeduld nicht nachvollziehen können. Vergleichsweise einfache Sachverhalte seien zu großen Problemen erklärt worden, so der Erste Bürgermeister. Fetzner: „Vergessen Sie nicht, dass Lillig ein Mitarbeiter der Stadt Weinheim und kein Angestellter der Freiwilligen Feuerwehr ist.“ Man verstehe sich in der Arbeit für die Feuerwehr als Team, zu dem auch die beiden stellvertretenden Kommandanten Ralf Mittelbach und Volker Jäger gehören. Auch in der Vergangenheit habe man schwierige Wege gemeinsam zurückgelegt, erinnerte Fetzner unter anderem an den Feuerwehrbedarfsplan. Dabei hätten Stadt und Feuerwehr immer wieder Lösungen gefunden und seien einander mit Respekt begegnet.

„Lesen Sie sich noch einmal das gemeinsam von Ihnen beschlossene Leitbild der Feuerwehr durch“, redete Feuerwehrdezernent Fetzner Klartext. Kameradschaft zeichne sich dadurch aus, dass man in schwierigen Phasen zusammenhält. Dieses Prinzip beinhalte mehr als gesellige Treffen bei einem Bier. Eine andere Sache, welche die Wehr beschäftigt, ist die räumliche Enge im Feuerwehrzentrum. Auch hier redete Fetzner nicht lange um den heißen Brei herum. Derzeit könne die Raumnot noch durch Provisorien abgepuffert werden. Mittelfristig werde man aber um eine Erweiterung nicht herumkommen.

Die Mitgliederzahlen und die technischen Ausstattungen der Ortsteilwehren entwickelten sich sehr gut, ging Fetzner zum erfreulicheren Teil seiner Rede über. Er sei froh, dass er sich 2006 nach intensiven Gesprächen und Diskussionen für den Erhalt der einzelnen Abteilungen entschieden habe und sich gegen bereits bestehende Fusionspläne durchsetzen konnte. So werde es zumindest in seiner Amtszeit auch bleiben.

Als „hervorragend“ lobte Fetzner die Zusammenarbeit mit den Wehren der Nachbargemeinden und der Werksfeuerwehr der Firma Freudenberg. Aktuell werde bei Freudenberg über einen neuen Standort innerhalb des Industrieparks diskutiert. Nun wolle man untersuchen, inwieweit sich durch den Standortwechsel Synergieeffekte ergeben könnten.

Eine Zusammenlegung beider Wachen steht dabei angesichts der unterschiedlichen Ausrichtung beider Wehren aber nicht zur Diskussion. Diese wäre auch mit Blick auf die Mitgliederentwicklung kontraproduktiv und sei auch nicht gewünscht.

Quelle: Rhein-Neckar Zeitung

Bergstraße/Mannheim – Weinheimer Rundschau vom Di, 19.03.2019 – Seite 4