Feuerwehr stellte Weinheimer Mittagstreff ihre lebensrettende Arbeit vor

13. Juli 2017 | Von

Verwaltungs- und Unternehmensvertreter bekamen Erfolgsgeschichten, aber auch Sorgen zu hören
Weinheim. (keke) Mit dem 101. „Mittagstreff“ des Netzwerks Wirtschaft und Verwaltung im Einsatzzentrum der Feuerwehr an der Bensheimer Straße ist zur Zufriedenheit von Wirtschaftsförderer Jens Stuhrmann jetzt auch einer der letzten „weißen Treffpunkt-Flecken“ getilgt; obwohl Stadtkommandant Ralf Mittelbach bei seiner Begrüßung analog zur Notrufnummer der Wehr der „112.“ Mittagstisch lieber gewesen wäre: „Doch so lange wollten wir nicht warten.“ Dass Stadtbrandmeister Reinhold Albrechtund OB Heiner Bernhard fehlten, hatte einen feuerwehrtechnischen Hintergrund. Sie waren dabei, die neueste Errungenschaft der Wehr, ein rund 680 000 Euro teures Drehleiterfahrzeug, aus Karlsruhe abzuholen. Mit dem mit modernsten Gerätschaften bestückten Fuhrpark und einer hoch motivierten Mannschaft ist die 1862 gegründete Weinheimer Freiwillige Feuerwehr seit nunmehr 155 Jahren ehrenamtlich für die Bürger im Einsatz. Wobei viele glauben, dass die aktuell 326 Aktiven der Einsatzabteilung
eine Berufsfeuerwehr verkörpern. Was „mitnichten“ der Fall ist, erläuterte Mittelbach. In Baden-Württembergs Städten sei die Einrichtung einer Berufsfeuerwehr erst von 100 000 Einwohnern an möglich, und sogar erst ab 150 000 eine Pflichtaufgabe. Dass die Weinheimer den „Hauptberuflichen“ trotzdem das Wasser reichen können, verdeutlicht eine andere Zahl: Die gesetzlich vorgeschriebene Hilfsfrist von zehn Minuten bis zum Eintreffen des ersten Fahrzeugs am Einsatzort wird immer eingehalten. Im Vorjahr lag diese Zeit bei 3,63Minuten. Staunen und Beifall bei der Vorstellung der Einsatzzahlen: Verzeichnete die Wehr 1986 „nur“ 208 Einsätze, so verfünffachte sich diese Zahl mittlerweile auf 1133 Einsätze im Vorjahr. „Pro Tag sind wir zwei- bis dreimal im Einsatz“, so Mittelbach. Es werde indessen schwieriger, das Ehrenamt zu halten: „Es geht oft bis an die Belastungsgrenze des einzelnen Kameraden.“ So vermeldete die Feuerwehrführung für 2016 mit 14 482 Einsatzstunden gegenüber 11855 Stunden im Jahr zuvor ein „Allzeithoch“. Zu Buche schlug hier vor allem der Großbrand in der Nacht vom 4. auf den 5. November bei der Firma Naturin-Viscofan,wo mehr als 240 Kräfte – auch aus den umliegenden Ortschaften und von der Werkfeuerwehrder Unternehmensgruppe Freudenberg – im Einsatz waren. Müsste die Stadt die Einsätze bezahlen, so kämen – einen Stundensatz von 25 Euro zugrundegelegt – Mehrausgaben von über 300 000 Euro zusammen. Allein in den ersten sechs Monaten dieses Jahres mussten die Blauröcke 384 mal ausrücken: „Macht 106 399,15 Euro.“ Deshalb seien die von Verwaltung und dem Rat zur Verfügung gestellten Arbeitsgeräte und der gut drei Dutzend Fahrzeuge umfassende Fuhrpark auch keine Geschenke, sondern stellen das Handwerks- und Rüstzeug dar, um „365 Tage im Jahr und 24 Stunden am Tag“ die Sicherheit der Bürger zu gewährleisten und alle denkbaren Schadensereignisse in den Griff zu bekommen. Was Mittelbach nicht weniger stolz macht: Mit 52 Kindern ab sechs Jahren und 93 Jugendlichen zwischen zehn und 17 Jahren steht auch der Nachwuchsbereich „nicht auf dem Schlauch“. Den „Werbeblock“
übernahm Uwe Seehaus, Vorsitzender des aktuell 88 Mitglieder zählenden Fördervereins der Freiwilligen Feuerwehr. Vereinszweck ist die Förderung der Einsatzabteilungen und Unterstützung der Kameradschaft, etwa durch die Bereitstellung von Fitnessgeräten, finanzielle Zuschüsse für Freizeiten der Jugendfeuerwehr, Kindergruppen, Aktivitäten der Altersmannschaft sowie Schulungen. „Wir kaufen aber keine Schläuche“, machte Seehaus klar. Dies sei Aufgabe der Stadt. Als Dank der Firma Naturin-Viscofan überreichte er Mittelbach 330 Langarm-Pullover als „sinnvolle Ergänzungder Einsatzkleidung“.

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Kontakt: stadt.foerderverein@feuerwehr-weinheim.de