Neuer Bundesjugendleiter kommt aus Baden Württemberg
31. Oktober 2006 | Von Feuerwehr WeinheimDeutsche Jugendfeuerwehr wählt Bundesjugendleitung: Schäfer und Huhn wurden bestätigt. Die außerordentliche Delegiertenvollversammlung der Deutschen Jugendfeuerwehr hat am vergangenen Sonnabend in Gro „Deutsche Jugendfeuerwehr wählt Bundesjugendleitung: Schäfer und Huhn wurden bestätigt. Die außerordentliche Delegiertenvollversammlung der Deutschen Jugendfeuerwehr hat am vergangenen Sonnabend in Großenlüder (Hessen) die kommissarischen Amtsinhaber Hans-Peter Schäfer zum Bundesjugendleiter und Andreas Huhn zum stellvertretenden Bundesjugendleiter gewählt. Damit hat die Deutsche Jugendfeuerwehr nach einjähriger Vakanz wieder eine gewählte Bundesjugendleitung. In seiner Rede hatte Hans-Peter Kröger, Präsident des Deutschen Feuerwehrverbandes, zuvor an die Delegierten appelliert, eine arbeitsfähige Bundesjugendleitung zu wählen. Kröger sagte zu Delegiertenvollversammlung: „“Stellen Sie, meine sehr verehrten Damen und Herren, stellt Ihr Euch, meine Mädchen und Jungen in den Jugendfeuerwehren, bitte vor, eines Tages läge eine Einberufung zur „Pflicht-Jugendfeuerwehr“ in der Post. Das ist für uns unvorstellbar. Das wäre nur in einem totalitären Staat mit zentral gelenkter Jugendarbeit denkbar. Unserem demokratischen Verständnis entspräche eine „Pflicht-Jugendfeuerwehr“ ebenso wenig wie unserem Selbstverständnis in den Freiwilligen Feuerwehren. Dieses Selbstverständnis prägt unsere Organisation von Anbeginn, und ohne dieses Selbstverständnis können weder die Freiwilligen Feuerwehren noch ihre Jugendfeuerwehren dauerhaft existieren. Seit mehr als 150 Jahren sorgen wir selbst dafür, dass Menschen sich den Freiwilligen Feuerwehren anschließen. Dass sie sich für den Dienst aus- und weiterbilden. Dass sie ihren Dienst motiviert und zuverlässig versehen. Dass sie Kameradschaft pflegen und gute Botschafterinnen und Botschafter unserer Organisation sind: im ehrenamtlichen Dienst, in der örtlichen Gemeinschaft, im privaten Umfeld. Städte und Gemeinden tragen die Verantwortung für unsere technische Ausstattung, für die soziale Absicherung und für den Betrieb unserer Feuerwehren. Für die personelle Leistungsfähigkeit waren und sind immer noch wir selbst verantwortlich. Die Jugendfeuerwehren sind aus diesem Geist entstanden. Und sie haben dieses Selbstverständnis genutzt, um mehr zu sein, als die bloße Nachwuchsschmiede der Feuerwehren. Sie leisten vielfältige jugendpflegerische, soziale und ökologische Arbeit in den Städten und Gemeinden. Sie begeistern eine Vielzahl junger Menschen. Sie schaffen für viele Mädchen und Jungen aus Bevölkerungsgruppen einen Zugang zu den Feuerwehren, die noch vor einigen Jahren nie den Weg zu uns gefunden hätten. Die Jugendfeuerwehren haben die Chancen genutzt, die im Selbstverständnis der Feuerwehren liegen. Die Chance, selbst für eine intakte Gemeinschaft zu sorgen, ist für die Freiwilligen Feuerwehren auch Verpflichtung. Die Alternative dazu – Fremdbestimmung und Führung durch Dritte – kann niemand von uns wollen, auch nicht in den Jugendfeuerwehren. Ich kann mir nicht vorstellen, dass eine solche Struktur mit einer so dynamischen Jugendorganisation wie der unseren in Einklang zu bringen wäre. Die Chance der Selbstbestimmung ist auch eine Verpflichtung, immer wieder Menschen zu begeistern und Menschen zu motivieren, sich in diesem besonderen Ehrenamt zu engagieren. Dies ist unsere zentrale Zukunftsaufgabe. Der demografische Wandel, Druck auf dem Arbeitsmarkt und höhere berufliche Mobilität, verändertes Freizeitverhalten und Umbrüche in der Gesellschaft erfordern von uns mehr Flexibilität und neue Denkweisen. Und Ehrlichkeit. Wenn wir ehrlich sind, dann müssen wir sagen: Die Deutsche Jugendfeuerwehr hätte trotz der gewaltigen Mitgliederzuwächse der vergangenen Jahre bereits eine „Gewinnwarnung“ herausgeben müssen. Die aktuelle Statistik belegt Stagnation und Rückgang – sie muss uns aufrütteln! Immer frühere Entscheidungen über Hobbys und Freizeitbeschäftigungen, die Einführung der Ganztagsschule und berufliche Umzüge bereits im Lehrlingsalter sind einige der neuen Herausforderungen. Das macht es für Betreuer nicht leichter, genug Zeit zu finden und eine anspruchsvolle Dienstgestaltung umzusetzen. Eines ist trotzdem sicher: Die Jugend ist unser wichtigster Antrieb auf dem Weg in die Zukunft. Die Zukunft aber, so hat es der Aktien-Guru Peter Lynch formuliert, die Zukunft kann man nicht im Rückspiegel sehen. Die Deutsche Jugendfeuerwehr braucht klare Sicht nach vorne, um ihre Erfolgsgeschichte weiterschreiben zu können. Sie muss die Chance nutzen, durch gute Ideen und gute Arbeit zu überzeugen – nicht nur die Jugendlichen, die zu uns kommen, sondern auch die Einsatzabteilungen und Feuerwehrverbände, die die Arbeit der Jugendfeuerwehren personell, materiell und finanziell erst ermöglichen. Das Präsidium des Deutschen Feuerwehrverbandes ist hier fast vollzählig erschienen, um Ihnen und Euch für die engagierte Arbeit an der Basis zu danken und die Bedeutung der Jugendfeuerwehren zu unterstreichen. Das Präsidium und der Präsidialrat des Deutschen Feuerwehrverbandes, also das Gremium der Präsidenten und Vorsitzenden der Landesfeuerwehrverbände, haben das Gefühl: Die Deutsche Jugendfeuerwehr ist inhaltlich wieder auf dem Weg nach vorne. Wir haben mit der kommissarischen Bundesjugendleitung zum Beispiel das Thema Kinderfeuerwehren erörtert und die Mitgliederentwicklung der Deutschen Jugendfeuerwehr. Eure kommissarische Bundesjugendleitung war in den DFV-Gremien in mehrfacher Hinsicht erfolgreich. Sie hat personelle und finanzielle Unterstützung gewonnen. Sie hat inhaltlich überzeugt und erreicht, dass die Deutsche Jugendfeuerwehr wieder als Partner bei der Lösung von Zukunftsaufgaben wahrgenommen wird. Und sie hat – und das ist in meinen Augen das Wichtigste – Vertrauen zurückgewonnen durch Transparenz, Gesprächsbereitschaft und sachorientierte Zusammenarbeit. Bei aller gebotenen Zurückhaltung vor der anstehenden Wahl darf ich diese Einschätzung hier wohl wiedergeben. Ich möchte Pit und Andreas danken dafür, dass sie diese schwierige und undankbare Aufgabe auf sich genommen haben, ich möchte ihnen danken für das, was sie schon erreicht haben und dafür, dass sie den Mut haben, heute regulär zu kandidieren. Mit ihnen möchte ich allen anderen Ehrenamtlichen danken, die die Deutsche Jugendfeuerwehr inhaltlich und organisatorisch tragen: dem Deutschen Jugendfeuerwehrausschuss, den Mitgliedern der Fachausschüsse und der Arbeitskreise, dem Jugendforum, der Lauffeuer-Redaktion, Wertungsrichtern, Referenten und vielen anderen, die zum Beispiel solche Veranstaltungen wie hier durch tatkräftige Hilfe möglich machen. Danken darf ich an dieser Stelle aber auch dem hauptamtlichen Team im Sekretariat der Deutschen Jugendfeuerwehr. Die Personalfindungskommission hat mit Manuela Mayer eine sehr gute Wahl getroffen. Frau Mayer und ihr Team haben dafür gesorgt, dass nach dem Umzug der Bundesgeschäftsstelle das gesamte Leistungsspektrum des Sekretariats von der Gremienarbeit über die Mitgliederbetreuung durch Ausweise, Abos und Infomaterial sowie die Förderung internationaler Begegnungen bis hin zur Organisation von Veranstaltungen, der Öffentlichkeitsarbeit und der persönlichen Beratung zur Verfügung steht. Die finanzielle Gesundung der Deutschen Jugendfeuerwehr macht große Fortschritte, und das Bundesverwaltungsamt hat seine Prüfung mit einem einwandfreien Testat abgeschlossen. Das Sekretariat muss die Beschlüsse der Gremien im täglichen Verwaltungshandeln mit Blick auf Haushalt und Recht korrekt und effektiv umsetzen. Auch dafür gilt Ihnen und Ihrem Team mein Dank, Frau Mayer. Ich bin überzeugt davon, dass sich der Umzug nach Berlin für die Deutsche Jugendfeuerwehr gelohnt hat. Sie profitiert von den Verbindungen in dieser Stadt und von der räumlichen Nähe zur Bundesgeschäftsstelle. Die Zukunft sieht man nicht im Rückspiegel. Die Zukunft braucht klare Sicht nach vorn und klare Verhältnisse. Durch erfolgreiche und zukunftsgerichtete Arbeit kann die Deutsche Jugendfeuerwehr punkten. Sie kann sich so auch unter schwieriger werdenden Rahmenbedingungen behaupten. Wir werden Ihnen und Euch dabei helfen, wo immer es geht. Ein wichtiger Schritt ist, dass wir unseren Zuschuss für die Deutsche Jugendfeuerwehr im kommenden Jahr wieder deutlich anheben wollen. Eine neue Beitragsordnung wird uns dazu den Spielraum geben, und ich erwarte, dass auch die Deutsche Jugendfeuerwehr diesen Beschluss mitträgt. Mit 126.000 Euro sind die Ausgaben für die DJF übrigens unser zweitgrößter Haushaltstitel – ich denke, dies ist ein deutliches Zeichen! Ein wichtiger Schritt – ein Signal nach innen an die Gremien des Deutschen Feuerwehrverbandes aber auch nach außen an den Bundesjugendring, an die Politik, an das Familienministerium, an das Bundesverwaltungsamt und an andere Partner – ist die Wahl einer Bundesjugendleitung. Um es genau zu formulieren: die Wahl einer möglichst vollständigen Bundesjugendleitung aus vier Personen. Eine Interimslösung auf Dauer kann nicht die Lösung sein. Das Selbstverständnis unserer Organisation gebietet auch Selbstbestimmung und demokratische Teilhabe der Mitglieder. Ich habe es am Anfang meiner Rede ausgeführt. Wie wir die Eigenvertretung der Deutschen Jugendfeuerwehr weiter stärken können – der Bundesjugendleiter ist seit 2003 immerhin auch geborenes Mitglied des Präsidiums – das werden wir mit einer demokratisch legitimierten Bundesjugendleitung und den DFV-Gremien weiter erörtern. Aus meiner Sicht muss dies einhergehen mit der Übernahme von mehr Verantwortung. Liebe Delegierte, die vergangenen Monate haben gezeigt, dass die Arbeit in der Bundesjugendleitung möglich ist, sie haben gezeigt, dass die Arbeit in den vorhandenen Strukturen erfolgreich möglich ist. Wenn akut noch etwas fehlt, dann vor allem die Möglichkeit, Arbeitsbereiche, Projekte sowie Information der Gremien und Mitglieder auf mehrere Schultern zu verteilen. Daher wiederhole ich meine Bitte, hier und heute eine arbeitsfähige Bundesjugendleitung zu wählen. Liebe Delegierte, wer mitgestalten will, der muss Verantwortung übernehmen. Wer Verantwortung übernimmt, der verdient grundsätzlich auch Vertrauen. Ich bin mir sicher, dass die Delegierten, dass Sie und Ihr, einer gewählten Bundesjugendleitung dieses Vertrauen schenken werdet.“““
