Feuerwehrseelsorger: In 1337 Stunden 866 Personen geholfen
5. Januar 2016 | Von Weinheimer Nachrichten
Weinheim. „Der Amok-Fehlalarm am Berufschulzentrum hat uns neue Schlüsse über unsere Arbeit gegeben: Immer wenn die Polizei in voller Montur mit Maschinenpistolen anrückt, führt das zu seelischer Belastung bei den Personen vor Ort. Dann sind wir gefragt.“ Wolf-Dieter Wöffler ist Pastoralreferent der Seelsorgeeinheit Weinheim-Hirschberg und einer von 35 Mitarbeitern des Feuerwehr-Seelsorge-Teams (FST) des Rhein-Neckar-Kreises. In dieser Funktion war er bei mehreren der insgesamt 173 Einsätze im Jahr 2015 dabei – ein Rekordwert im Bereich der Psychosozialen Notfallversorgung (PSNV).
„Ohne das hohe Engagement unserer Mitarbeiter wären die außerordentlichen Aufgaben des vergangenen Jahres nicht zu bewältigen gewesen“, heißt es im Jahresbericht des FST. In der Statistik liest sich das wie folgt: 43 Einsätze bei plötzlichen Todesfällen, 43 Nachgespräche, 22 überbrachte Todesnachrichten, 17 Mal bei Verkehrsunfällen vor Ort, 16 Suizide oder Suizidversuche, 9 Reanimationen, 8 sonstige Unfälle, 8 Schulungen oder Veranstaltungen, 4 Brände und 3 Verbrechen.
Spezielle Vorbereitungskurse
Wöffler: „In der Regel werden wir angefordert, wenn es Todesfälle gibt. Gemeinsam mit der Polizei überbringen wir auch Todesnachrichten.“ In speziellen Kursen und Seminaren werden die Helfer auf ihre Aufgabenbereiche vorbereitet. Für das Jahr 2016 sei zum Beispiel eine mehrtägige Ausbildung im Bereich Stressbearbeitung nach belastenden Einsätzen geplant. Besonders bei der Nachbetreuung von Einsatzkräften der Feuerwehren des Rhein-Neckar-Kreises seien steigende Anfragen zu vermerken.
So gibt der Jahresbericht auch darüber Auskunft, dass sich unter den 866 betreuten Bürgern des zurückliegenden Jahres 155 Einsatzkräfte befanden. Und weiter: Von den 1337 Stunden ehrenamtlicher Arbeit wurden 769 im Rahmen von Einsätzen erbracht und 568 bei Versammlungen, Schulungen und Fortbildungen. Ohne das ständige Auffrischen und Trainieren der Vorgehens- und Handlungsweisen vor Ort, alles in ehrenamtlicher Leistung, sei das qualitativ hochwertige Niveau der psychosozialen Notfallversorgung in der Region nicht zu halten. „Wichtig ist, dass es bei allen Einsätzen mit Belastungspotenzial eine Nachbesprechung gibt. Wir stehen miteinander im kollegialen Austausch und haben auch ausgebildete Psychologen mit dabei“, erklärt Wöffler.
Ein starkes, gemischtes Team
Ihm persönlich, so der Pastoralreferent, helfe bei den oft belastenden Einsätzen sein christlicher Glaube sowie eine professionelle Distanz: „Wenn einem die Leute selbst bekannt sind, macht das die Arbeit schwieriger.“
Im Übrigen sei ein kirchlicher Hintergrund nicht Voraussetzung um im Seelsorge-Team mitzuarbeiten, im Gegenteil sei es die Mischung, die das Team stark mache. Kirchenmitarbeiter arbeiten darin an der Seite von Feuerwehrleuten, Psychologen und Ärzten. Daneben werde auf eine kollegiale Zusammenarbeit mit den benachbarten Unterkreisen des Feuerwehr-Seelsorge-Teams Wert gelegt. In Weinheim arbeite man im engen Austausch mit Birkenau zusammen und könne so auch 2016 wieder an 366 Tagen rund um die Uhr eine professionelle Seelsorge anbieten.
Für die Finanzierung der Fortbildungen bittet das Seelsorge-Team um Spenden. Insgesamt werden rund 5000 Euro benötigt. Hierfür steht das Konto der Katholischen Regionalstelle Rhein-Neckar zur Verfügung: IBAN: DE40 6709 0000 0035 0506 12, BIC: GENODE61MA2 (E-Mail: psnv@feuerwehr-rnk.de).
Das Feuerwehr-Seelsorge-Team (FST):
Im März 2015 hat der Feuerwehrverband des Rhein-Neckar-Kreises eine neue Ordnung des Feuerwehr-Seelsorge-Teams verabschiedet.
Nach der neuen Ordnung besteht das FST aus einem Leiter, einem Ausschuss und der Vollversammlung.
Die Leitung liegt in den Händen von Thomas Eisermann (Hockenheim), seine Stellvertreter sind Sabine Klehr (Gaiberg) und Mario Horvath (Neckargemünd).
Vertrauenspersonen des FST-Ausschusses sind Martin Beck (Bammental), Thomas Knapp (Weinheim) sowie Marion Kohlmann (Sinsheim).
Weiter gehören zum Ausschuss: Michael Dahlinger (Hockenheim), Hans-Peter Wey (Schönau) und Hans-Dieter Wöffler (Weinheim).
Weitere Informationen online unter Fachgebiete/ Feuerwehrseelsorge auf: http://kfv-rnk.de
Quelle: Weinheimer Nachrichten vom 05.01.2015
