Diebe stahlen „Lebensretter“
7. Dezember 2015 | Von Rhein-Neckar-Zeitung
Unbekannte stahlen in Weinheim ein halbes Dutzend Defibrillatoren – Feuerwehr ist fassungslos
Weinheim. Im Notfall zählen Sekunden: Je schneller ein Infarktpatient mit Herz-Druck-Massagen und mithilfe eines Defibrillators behandelt wird, desto eher überlebt er die Herzattacke (siehe Kasten). Deshalb werben die Weinheimer Feuerwehr und ihr Stadtkommandant Ralf Mittelbach seit 2011 für „Defis“ in öffentlichen Gebäuden.
Die gut gemeinte Idee: Die Geräte werden in oder an Häusern angebracht, die gut einsehbar sind und möglichst durchgehend geöffnet haben. Gerät ein Mensch in Not, kann sich jeder Vorbeikommende den Defibrillator schnappen – und so lange helfen, bis die hauptberuflichen Retter da sind.
Mehrere Einrichtungen zogen mit – darunter die Stadt und die Sparkasse Rhein Neckar Nord. Und die „Defis“ mehrten sich fleißig. Bis Mitte vergangenen Monats: Mindestens ein Unbekannter habe zwischen dem 14. und dem 29. November vier mobile „Lebensretter“ aus Sparkassen-Filialen in der Kernstadt, in Sulzbach und in Oberflockenbach gestohlen. Auch am Hauptbahnhof und auf dem Hohensachsener Sportgelände sei je ein Defibrillator weggekommen, hieß es Anfang der Woche im Polizeibericht. Stadtsprecher Roland Kern und Ralf Mittelbach reagierten geschockt: „Es gehört schon viel Skrupellosigkeit dazu, lebensrettende Geräte zu stehlen“, so Kern. Man habe sich eigens Orte mit funktionierender sozialer Kontrolle für die „Defis“ ausgesucht, doch die Diebe habe das offenbar nicht abgehalten. „Derzeit müssen wir davon ausgehen, dass sechs Geräte weggekommen sind“, so Feuerwehrkommandant Mittelbach: „Das ist schon eine Hausnummer.“ Immerhin kostet jeder einzelne „Defi“ rund 1200 Euro.
Zieht die Feuerwehr jetzt Konsequenzen? „Zunächst hoffen wir, dass den einen oder anderen das schlechte Gewissen packt – und der Betreffende die Geräte irgendwo abstellt. Er muss sie ja nicht gleich bei der Polizei abliefern“, meint Mittelbach. Denn die Beamten ermitteln, wie ein Sprecher des Polizeipräsidiums Mannheim gestern versicherte.
„Prinzipiell kann man die Geräte so anbringen, dass man sie nicht sofort von der Wand nehmen kann, bevor die Feuerwehr sie freischaltet“, so Mittelbach: „Aber bevor wir das machen, müssen wir klären, ob dabei Mehrkosten entstehen – und wer diese trägt“, sagt der Feuerwehrmann. In jedem Fall entstehe ein Zeitverlust zuungunsten von Infarktpatienten. Und für die zählt jede Sekunde.
Quelle: Rhein-Neckar-Zeitung: Bergstraße/Mannheim – Weinheimer Rundschau vom Freitag, 4. Dezember 2015
Autor: Philipp Weber
