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Bronzefigur kehrt nach mehr als 100 Jahren heim

6. Februar 2016 | Von

Freiwillige Feuerwehr Weinheim: Die kuriose Geschichte eines Geschenks, das Bürgermeister Heinrich Ehret 1910 erhalten hat.

Weinheim. Einen ungewöhnlichen „Neuzugang“ für die Freiwillige Feuerwehr Weinheim präsentierte am Donnerstag Stadtbrandmeister Reinhold Albrecht. Der „Neue“ ist zwar schon ziemlich alt, wiegt auch nur 2,59 Kilogramm und ist 41,5 Zentimeter klein.

Aber trotzdem freut man sich über diese Verstärkung sehr, die auf Vermittlung der Berufsfeuerwehr München ihren Weg zurück an die Bergstraße gefunden hat. Seine stattliche Erscheinung in historischer Feuerwehruniform macht in der Tat eine Menge her. Aber vor allem ist es die kuriose Geschichte dahinter, die diese Bronzefigur so wertvoll für die Weinheimer Wehr macht.

„Die Freiwillige Feuerwehr der Stadt Weinheim Ihrem Bürgermeister H. Ehret 1885-1910“ steht auf dem Sockel der Skulptur. Die Jahreszahlen legen die Vermutung nahe, dass die Bronzeskulptur ein Geschenk der Feuerwehr zum 25-jährigen Dienstjubiläum von Heinrich Ehret war, der von 1885 bis 1912 an der Spitze der Weinheimer Verwaltung stand.

Beim Dienstjubiläum übergeben?

 

Leider findet sich im Zeitungsarchiv kein Bericht über eine Feierlichkeit zu diesem Jubiläum. Vielleicht hätte man dann erfahren, ob der damalige Feuerwehrkommandant Philipp Kinzel dieses wertvolle Geschenk übergab. Kinzel stand jedenfalls von 1895 bis 1915 an der Spitze der Weinheimer Wehr und war damit viele Jahre lang ein Wegbegleiter von Bürgermeister Ehret. Beide galten als fortschrittlich und aufgeschlossen. In der Chronik der Weinheimer Feuerwehr wird die Ära Kinzel als „Blütezeit“ beschrieben, berichtet Ralf Mittelbach, der sich heute bei der Feuerwehr um die Öffentlichkeitsarbeit kümmert.

 

Die Verdienste von Heinrich Ehret wurden am 16. Oktober 1910 – exakt 25 Jahre nach seiner Verpflichtung zum Bürgermeister – im „Weinheimer Anzeiger“ auf der Titelseite ausführlich gewürdigt. Er hatte aus dem einstigen Ackerbauer-Städtchen mit 7600 Einwohnern eine Stadt gemacht hatte, die den Übergang ins 20. Jahrhundert und die Industrialisierung durch vielfältige Baumaßnahmen und eine vorausschauende Bildungspolitik gemeistert hatte. Als Ehret 1912 aus dem Amt schied, lebten in Weinheim bereits 12 600 Menschen.

 

Denkbar wäre aber auch, dass die Bronzefigur schon zum 70. Geburtstag Ehrets am 16. Mai 1910 übergeben wurde. Zwar findet sich dazu im „Weinheimer Anzeiger“ leider kein Bericht. Aber es gibt wenige Tage später eine Anzeige, in der Bürgermeister Ehret kundtut: „Allen Freunden und Bekannten, welche in mich so erfreuender und ehrender Weise an der Feier meines 70. Geburtstages Anteil nahmen, spreche ich hiermit meinen aufrichtigen und herzlichsten Dank aus.“

 

Bürgermeister EhretMindestens ebenso spannend wie die Geschichte dieses Geschenkes ist die Frage, was mit der Bronzefigur nach dem Tod Ehrets am 8. Januar 1915 passierte. Zwei Tage später erfolgte die Feuerbestattung im Krematorium des Heidelberger Friedhofs. Doch weder dort noch in Weinheim ist das Grab Ehrets verzeichnet, was nach Auskunft von Claudia Buggle, der Leiterin des Museums der Stadt Weinheim, äußerst ungewöhnlich ist. Verheiratet war Ehret mit Wilhelmine von Pflummern, der Tochter eines Überlinger Patriziergeschlechts, über deren Verbleib nach dem Tod ihres Mannes aber auch wenig bekannt ist.

Auf Münchner Flohmarkt entdeckt

So bleibt es ein Rätsel, wie die Bronzefigur schließlich auf einem Münchner Flohmarkt landete, wo sie der Archivar der dortigen Berufsfeuerwehr, Michael Abend, entdeckte. Er nahm Kontakt mit den Weinheimer Kollegen auf und fragte, ob sie Interesse an dem guten Stück hätten. Nach Rücksprache mit Museumsleiterin Claudia Buggle veranlasste Reinhold Albrecht schließlich, dass der kleine Feuerwehrmann nach mehr als 100 Jahren wieder nach Hause durfte, wo er bei der Weinheimer Feuerwehr einen Ehrenplatz bekommen wird.

Quelle: Weinheimer Nachrichten vom 06.02.2016