Häufung von nächtlichen Brandeinsätzen
8. Mai 2018 | Von Weinheimer Nachrichten
Feuerwehr: Brennender Sperrmüll, böswillige Fehlalarme – Einsatzkräfte sind sauer, aber auch besorgt / Polizei sucht Zeugen für aktuellen Fall im Vogesenweg
Weinheim/Hemsbach. Eigentlich wäre es keine allzu große Sache: In der Nacht von Sonntag auf Montag gerieten gegen 1 Uhr in Weinheim im Vogesenweg drei Paletten mit Dämmmaterial in Brand. Anwohner alarmierten die Feuerwehr und versuchten, bis zum Eintreffen der Einsatzkräfte den Brand einzudämmen. Mit dem kleinen, extra für schmale Wege beschafften Löschfahrzeug konnte die Einsatzstelle von der Feuerwehr angefahren werden. Unter Atemschutz wurde der Brand rasch gelöscht. Nach Polizeiangaben entstand ein Sachschaden in Höhe von 1500 Euro. Die Polizei geht von Brandstiftung aus und ruft daher Zeugen, die verdächtige Wahrnehmungen gemacht haben, dazu auf, sich beim Polizeirevier Weinheim unter Telefon 06201/10030 zu melden.
Ein Einzelfall? Bei der Weinheimer Feuerwehr ist man sich da nicht so sicher. Denn es fällt auf, dass sich in jüngster Zeit nächtliche Brandeinsätze häufen. Los ging’s in der Nacht vom 11. auf den 12. April, als Unbekannte um 2.16 Uhr Sperrmüll in der Mannheimer Straße anzündeten. In der folgenden Nacht wurden die ehrenamtlichen Einsatzkräfte der Feuerwehr um 1.33 Uhr aus dem Schlaf gerissen, weil es aus ungeklärter Ursache in einer Lagerhalle im Suezkanalweg brannte. Bei diesem Einsatz verletzte sich sogar eine Feuerwehrfrau.
Eine Woche später wurde die Feuerwehr dann um 2.21 Uhr alarmiert; diesmal brannte erneut ein Sperrmüllhaufen in der Mannheimer Straße.
Doch nicht nur in Weinheim war die Feuerwehr gefordert, sondern auch in der Nachbarkommune Hemsbach. Dort waren in der Nacht vom 22. auf den 23. April in der Nähe der Bushaltestelle „Görlitzer Straße“ ein Sonnenschirm, eine Mülltonne und ein Plakat angezündet worden. Die Feuerwehr Hemsbach konnte das Feuer rasch löschen.
Ein Hemsbacher Fall aufgeklärt
Zumindest in diesem Fall konnte die Polizei aufgrund der detaillierten Personenbeschreibung von Zeugen und akribischer Ermittlungsarbeit des Polizeipostens Hemsbach zwei Tatverdächtige ermitteln. Ein 25- und ein 26-Jähriger machten gegenüber den Beamten weitestgehend eine „alkoholbedingte Amnesie“, nach vorausgegangenem Besuch des Wein- und Blütenfests, geltend.
Wie die Polizei damals mitteilte, würden die Ermittlungen in diesem Fall, aber auch zu einem Garagenbrand am 22. April und dem Brand eines Rollers am 23. April andauern. „Einen Tatzusammenhang sehen die Ermittler derzeit nicht“, hieß es dazu in der Pressemitteilung der Polizei.
Angesprochen auf die Häufung der Fälle in Weinheim und Hemsbach erklärte die Polizei am Montag, dass man selbstverständlich auch prüfe, ob zwischen den Taten in Weinheim ein Zusammenhang bestehen könnte.
„Das waren in Weinheim in letzter Zeit schon seltsame Brände“, sagt Ralf Mittelbach, Kommandant der Abteilung Stadt. Dazu zählt er auch den Pkw-Brand vom 17. April, als am helllichten Tag (15.19 Uhr) in der Händelstraße ein alter Opel Corsa in Flammen aufging. Zwei böswillige Fehlalarme – am 17. April (16.34 Uhr) im GRN-Betreuungszentrum und am 22. April (16.20 Uhr) im Parkhaus des Werner-Heisenberg-Gymnasiums – lassen jedenfalls aufhorchen. „Diese Häufung ist schon ungewöhnlich“, sagt Mittelbach: „Wir beobachten das mit Sorge, aber es ärgert uns auch. Wir opfern gerne unsere Freizeit für die Sicherheit der Bevölkerung, aber solche Fälle sind absolut unnötig.“ Brandstiftung sei auch kein Kavaliersdelikt, erklärte Mittelbach weiter, zumal selbst bei einem Sperrmüllbrand immer die latente Gefahr besteht, dass die Flammen auf ein Gebäude übergreifen.
Deshalb appelliert die Feuerwehr er auch an die Bevölkerung, aufmerksam zu sein und verdächtige Wahrnehmungen gleich der Polizei zu melden. Abgesehen davon sollten Bürger angemeldeten Sperrmüll, aber auch die regulären Mülltonnen, am besten so kurz wie möglich vor deren Abholung an den Straßenrand stellen. pro
Quelle: Weinheimer Nachrichten vom 02.05.2018
