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Furchtbares Drama auf Station 14 – Eine offenbar psychisch kranke Frau hat ihr Zimmer in Brand gesteckt und dadurch ihre Mitbewohnerin getötet

8. Juni 2012 | Von
Brandstiftung in der Kreispflege fordert ein Todesopfer

Brandstiftung in der Kreispflege fordert ein TodesopferGeborstene Fenster, heruntergerissene, verkohlte Deckenpaneelen, zwei Betten, die mit flockigen, schwarzen Brocken übersät sind. In der Ecke ein Fernseher, dessen Plastikgehäuse in dicken Tropfen erstarrt ist: Das Zimmer im GRN-Betreuungszentrum, in dem am Dienstagabend eine 41-jährige Frau ums Leben gekommen ist, weil ihre Mitbewohnerin offenbar mutwillig Feuer gelegt hatte, bietet ein schreckliches Bild. Was genau sich hier am Dienstag auf engstem Raum abgespielt hat, ist noch nicht abschließend geklärt. Fest steht: Es war ein tödliches Drama auf der Station 14, dessen Hintergrund offenbar eine psychische Erkrankung der 19-jährigen Zimmermitbewohnerin des Opfers war. Ein Drama, das durchaus mehr als ein Opfer hätte fordern können. Dann nämlich, wenn der Brand erst später bemerkt oder der Anfahrtsweg der Feuerwehren länger gewesen wäre. Zum Glück aber war die Feuerwehrabteilung Stadt bereits wenige Minuten nach der Alarmierung durch das Brandmeldesystem des Heimes vor Ort und konnte in das Zimmer vordringen. Für das Opfer, eine langjährige Bewohnerin der Einrichtung, war aber auch diese kurze Zeitspanne zu lang, weil das Feuer vermutlich schon einige Minuten brannte, bevor der Rauchmelder im Gang einen Alarm absetzte. Die gehbehinderte Frau hatte keine Chance, aus dem Zimmer zu fliehen. Wo sich die mutmaßliche Brandstifterin aufhielt, als im Zweibettzimmer alles in Flammen stand, darüber wollte die Polizei gestern wegen der laufenden Ermittlungen keine Angaben machen. Im Bericht der Feuerwehr ist allerdings die Rede von einer zunächst vermissten Person, die später in einer anderen Station wohlbehalten gefunden wurde. Ob es sich dabei um die Tatverdächtige handelt, war gestern nicht zu erfahren. Für die Einsatzkräfte war die Rettungsaktion eine Mammutaufgabe: Während der erste Trupp der Feuerwehr unter Atemschutz die Brandbekämpfung einleitet, waren weitere zehn Trupps damit beschäftigt, die Bewohner aus der verrauchten Station ins Freie zu bringen. Dass viele Bewohner unter Schock standen und orientierungslos umherirrten, machte die Sache nicht leichter. Insgesamt konnte die Feuerwehr 18 Bewohner rechtzeitig aus dem Gebäude evakuieren. Im Hof hatte der Rettungsdienst bereits eine Patientenübergabe eingerichtet und nahm die teils schon bettfertig gekleideten Bewohner der Station mit warmen Decken in Empfang. Von dort wurden die Verletzten an eine Kapelle auf dem GRN-Geländegebracht und weiter versorgt. Vor Ort waren auch Seelsorger der Feuerwehr, die die aufgeregten Evakuierten beruhigten. 14 Bewohner und Angestellte der Einrichtung, bei denen der Verdacht auf Rauchgasvergiftung bestand, wurden in umliegende Krankenhäuser gebracht. Inzwischen sind alle wieder wohlbehalten zurück und auf andere Stationen verteilt. Die Freiwilligen Feuerwehren Weinheim-Stadt, Sulzbach, Hohensachsen, Hemsbach und die Werksfeuerwehr der Firmengruppe Freudenberg hatten das Feuer gegen 21 Uhr unter Kontrolle und konnten gemeinsam verhindern, dass der Brand auf andere Gebäudeteile übergriff. Dass es nicht zu einer größeren Katastrophe kam, ist auch der funktionierenden Rauchmeldeanlage der Einrichtung und den automatisch Schließenden Brandschutztüren zu verdanken. Die Brandsachverständigen der Kripo und das Dezernat für Kapitalverbrechen in Heidelberg hatten noch am späten Abend die Ermittlungen aufgenommen – am Mittwoch wurde die Tatverdächtige dann vorläufig festgenommen und verhört. Gestern erwirkte die Mannheimer Staatsanwaltschaft ihre Unterbringung in einer psychiatrischen Fachklinik. Wegen ihrer psychischen Erkrankung wird die Frau offenbar als nicht uneingeschränkt schuldfähig angesehen. Sonst wäre sie inhaftiert worden. Unklarheit herrschte gestern noch über die Höhe des Sachschadens, der durch den Brand und die Löscharbeiten am Zimmer und dem betroffenen Gangstück entstanden war. Während die Polizei diesen mit rund 25 000 Euro angibt, beziffert ihn die Feuerwehr auf 100 000 Euro – mit deutlicher Tendenz nach oben. Wegen des Großeinsatzes der Rettungskräfte musste die Viernheimer Straße am Dienstag bis gegen 21.30 Uhr teilweise gesperrt werden. 25 Rettungswagen und vier Notarztwagen sowie die Schnelleinsatzgruppe des DRK Mannheim Nord und der Johanniter waren im Einsatz. Im Hof des GRN-Zentrums kümmerten sich vier Notärzte und die Besatzungen von 25 Krankenwagen um die Bewohner. Auch das Betreuungspersonal der Einrichtung half tatkräftig mit, soweit es nicht selbst unter Schock stand oder wegen des Verdachts auf Rauchvergiftung behandelt werden musste.

HINTERGRUND

Die Betreuungszentren der Gesundheitszentren Rhein-Neckar (GRN) in Sinsheim und Weinheim werden seit 2006 als gemeinnützige GmbH des Landkreises geführt. In den Einrichtungen finden unter anderem chronisch psychisch kranke Menschen Hilfe und ein Zuhause. Die beiden Einrichtungen arbeiten bereits seit Jahren mit dem Psychiatrischen Zentrum Nordbaden (PZN) in Wiesloch zusammen. Patienten mit Psychosen, Depressionen oder Borderline – Syndrom sind nach der Behandlung eines akuten Krankheitsschubes in einem Fachkrankenhaus häufig noch nicht in der Lage, ein selbstständiges Leben zu führen. Hier soll das Konzept der Betreuungszentren mit ihren offenen und beschützten Wohnbereichen und zahlreichen Maßnahmen zur Wiedereingliederung in die Gesellschaft greifen. Die fachärztliche Betreuung ist dabei laut Mitteilung der Geschäftsführung unter anderem durch Konsiliarleistungen von Fachärzten des PZN weiterhin gewährleistet. (guz/zg)

 

 

 

Feuer im Wohnheim vorsätzlich gelegt

41-Jährige starb, nachdem 19-jährige Mitbewohnerin den Brand ausgelöst hatte – „Psychiatrisch bedingter Tat-Hintergrund“

 

Großaufgebot vom RettungsdienstFür eine 41-jährige gehbehinderte Frau kam jede Hilfe zu spät: Bei dem Großbrand im Weinheimer GRN Wohnheim am Dienstagabend (wir berichteten) kam sie ums Leben. Nach dem derzeitigen Ermittlungsstand der Kriminaltechniker und Brandermittler des Dezernats Kapitalverbrechen der Heidelberger Kripo ist davon auszugehen, dass das Feuer von der 19-jährigen Zimmermitbewohnerin des Opfers vorsätzlich gelegt worden ist. Die junge Frau, die nach dem Brand ins Visier der Ermittler geraten war, ist geständig, schweigt aber bislang über das Motiv für ihre Tat. Höchst wahrscheinlich ist für die Beamten allerdings, dass ein „psychiatrisch bedingter Hintergrund“ vorliegt. Die von der 19-Jährigen gemachten Angabe zum Tatablauf „korrespondieren mit unseren Feststellungen“, sagte dazu gestern Polizeisprecher Harald Kurzer. Näheres müsse ein psychiatrischer Gutachter zu ergründen versuchen. Kurz vor 20 Uhr war am Dienstag der Brandalarm aus dem kreiseigenen Betreuungszentrum bei der Feuerwehr eingegangen. Dank des kurzen Anfahrtsweges war die Drehleiter bereits sechs Minuten nach der Alarmierung in Stellung, und die Feuerwehr konnte zu dem völlig brennenden und verrauchten Zweibettzimmer im dritten Geschoss gleichzeitig von innen und von außen vordringen. Die 41-jährige Frau, die seit fünf Jahren in der Einrichtung betreut wurde, wurde im Zimmer leblos aufgefunden und sofort ins Freie gebracht. Der Notarzt konnte ihr allerdings nicht mehr helfen. Die mutmaßliche Brandstifterin konnte hingegen gerettet werden. Wo sie sich befand, als die Feuerwehr ins Zimmer eindrang, darüber wollte die Polizei gestern wegen der laufenden Ermittlungen keine Angaben machen. Gegen die 19-Jährige wurde gestern Mittag von der Mannheimer Staatsanwaltschaft ein Unterbringungsbefehl in eine geschlossene psychiatrische Einrichtung erwirkt. Die restlichen 13 Bewohner der Station und auch die fünf Pflegekräfte seien wohlauf, erklärte Rüdiger Burger, Geschäftsführer der gemeinnützigen GRN Gesundheitszentren Rhein-Neckar GmbH. Einige waren nach der Evakuierung wegen des Verdachts auf Rauchgasvergiftung in umliegende Krankenhäuser eingeliefert worden. Sie seien aber bereits wieder in andere Stationen des Zentrums zurückgekehrt. Die Feuerwehr konnte ein Übergreifen des Brandes auf andere Gebäudeteile verhindern. Zugute kam den Heimbewohnern, dass die Rauchmeldeanlage im Flur ebenso funktioniert wie die automatisch schließenden Brandschutztüren. Über die Ausstattung des Zimmers selbst gab es gestern allerdings einige Gerüchte, in denen behauptet wurde, dass das Zimmer nicht mit einem Rauchmelder ausgestattet gewesen sei. Im Gespräch mit der RNZ betonte Geschäftsführer Burger, dass dies nicht der Wahrheit entspreche: „Ich kann versichern, dass sowohl im Nassbereich als auch im Wohnbereich ein Rauchmelder vorhanden war“, so Burger. Dies sei allerdings noch nicht überall der Fall, schränkte er ein. Ob diese Melder nicht anschlugen, nicht gehört wurden oder von der Tatverdächtigen bewusst ausgeschaltet worden waren, müssen die weiteren Ermittlungen zeigen. Unklar ist demnach auch, wie lange es in dem Zimmer schon gebrannt hatte, bevor einer der zentralen Melder im Gang ansprach und damit die Alarmkette in Gang setzte. Erst Mitte April hatte es in einem Seniorenheim in der Weinheimer Bodelschwinghstraße gebrannt. Der Verdacht: Brandstiftung. Im Weinheimer GRN-Zentrum selbst hatte es bei einem Zimmerbrand vor zwölf Jahren einen hohen Sachschaden gegeben, ebenso wie Ende Januar dieses Jahres, als sich im Psychiatrischen Zentrum Nordbaden in Wiesloch ein 51-Jähriger seine Liege anzündete. Demente oder psychisch erkrankte Patienten können in solchen Einrichtungen offenbar schnell zu einer Gefahr für alle Heimbewohner werden.

 

Beide Artikel Rhein Neckar Zeitung vom 08.06.2012 – von Armin Guzy

 

19-jährige Mitbewohnerin festgenommen

 

Der Rettungsdienst hatte seinen Bereitstellungsraum in der Viernheimer StraßeEin Großaufgebot der Feuerwehr Weinheim mit den Abteilungen Stadt, Sulzbach und Lützelsachsen, der Werkfeuerwehr von Freudenberg und den Brandschützern aus Hemsbach sowie Einsatzkräfte des DRK und der Polizei waren am Dienstagabend beim Brand im GRN-Betreuungszentrum in der Viernheimer Straße im Einsatz. Das Feuer im GRN-Betreuungszentrum in der Viernheimer Straße, bei dem am Dienstagabend eine 41-jährige Bewohnerin ums Leben kam, ist offenbar auf Brandstiftung zurückzuführen. Wie die Polizei am Mittwoch mitteilte, wurde eine 19-jährige Mitbewohnerin festgenommen. Bei der Vernehmung durch die Kriminalpolizei Weinheim habe die junge Frau die Tat gestanden. Kriminaltechniker und Brandermittler des Dezernates Kapitalverbrechen der Heidelberger Kriminalpolizei hatten bei ihren Untersuchungen vor Ort sehr schnell Hinweise auf Brandstiftung gefunden. „Unklar ist allerdings noch die Motivlage; die Ermittler gehen nach ihren bisherigen Eindrücken von einem psychiatrisch bedingten Hintergrund aus“, erklärte die Pressestelle der Polizeidirektion Heidelberg. Die Staatsanwaltschaft Mannheim hat einen Unterbringungsbefehl gegen die Frau beantragt. Im GRN-Betreuungszentrum Weinheim, das im Volksmund immer noch Kreispflegeheim genannt wird, sorgte die Nachricht von der Brandstiftung am Mittwochabend für einen weiteren Schock. Am Vormittag hatte sich der Geschäftsführer der GRN Gesundheitszentren Rhein-Neckar gGmbH, Rüdiger Burger, vor Ort über die Situation informiert. „Wir sind erschüttert über den tragischen Tod der Bewohnerin, die seit 2007 in unserem Haus gelebt hat“, erklärte Burger in einer Pressemitteilung.

Sicherheitsmaßnahmen greifen

Er habe allerdings den Eindruck gewonnen, dass nach Ausbruch des Brandes sämtliche Sicherheitsmaßnahmen – von der Alarmierung der Feuerwehr über die Evakuierung der Bewohner bis hin zur vorsorglichen Unterbringung von 19 Personen in umliegenden Krankenhäusern – vorbildlich gegriffen hätten. „Dadurch konnte verhindert werden, dass der Brand auf andere Wohnbereiche übergriff und weitere Personen zu Schaden kamen“, so Burger weiter. Der GRN-Geschäftsführer trat auch Gerüchten entgegen, die am Dienstagabend im Internet verbreitet worden waren, dass in dem Zimmer des 41-jährigen Opfers kein Rauchmelder gewesen sei. „Alle Zimmer in dem betroffenen Wohnbereich sind mit einem Rauchschutzmelder ausgestattet gewesen – zusätzlich zu der in den Fluren installierten Brandschutzanlage, durch die im Brandfall automatisch die Feuerwehr alarmiert wird“, betonte Burger. Zur Höhe des entstandenen Sachschadens machte die GRN keine Angaben. Erste Schätzungen schwankten am Mittwoch zwischen 25 000 und mehr als 100 000 Euro.

Station derzeit unbewohnbar

Denn noch steht nicht fest, ob nur das ausgebrannte Zimmer oder sogar der gesamte Wohnbereich der Gruppe 14 im dritten Obergeschoss renoviert werden muss. Fest steht: Die Station ist vorerst nicht bewohnbar. Doch es gab auch gute Nachrichten in dieser Tragödie: Die 14 Bewohner und fünf Pflegekräfte, die am Dienstagabend vorsorglich in Krankenhäuser gebracht worden waren, konnten am Mittwoch alle wieder ins Betreuungszentrum zurückkehren. Zudem sind andere Bereiche des Gebäudes durch den Brand nicht beeinträchtigt worden. Zwei Brandschutztüren, die sich bei einem Brand automatisch schließen, hätten den Bereich abgeschottet, so die GRN. Daher habe man die bislang dort lebenden Menschen in anderen Wohnbereichen unterbringen können. Rüdiger Burger dankte abschließend den Mitarbeitern des Betreuungszentrums für ihr umsichtiges Verhalten während und nach der Evakuierung. „Das Pflegepersonal hat im entscheidenden Moment schnell und konsequent gehandelt und die vom Brand betroffenen Bewohner in Sicherheit gebracht“, bestätigte auch der Leitende Notarzt, Dr. Arnd Bublitz. Der stellvertretende Pflegedienstleiter, Eberhard Klicks, und der Leiter des Technischen Dienstes, Klaus Hagenbucher, waren in der Nacht vor Ort gewesen, um die Einsatzkräfte zu unterstützen und Personal zu organisieren.

 

Artikel Weinheimer Nachrichten vom: 08.06.2012 pro – alle Bilder Gutschalk

Alle Informationen gesammelt in unserem Bericht – zu finden hier.